Ein Gefühl, kein Ort – oder doch?

von Felix Huby, Keine Kommentare

Wenn ich mit dem Flugzeug nach Stuttgart komme, schwebt die Maschine entweder über den Schwäbischen Wald und Esslingen ein oder über den Schönbuch und Echterdingen. Im zweiten Fall sehe ich dann rechts Dettenhausen liegen, den Ort, in dem ich geboren wurde und aufgewachsen bin. Und jedes Mal spüre ich ein Ziehen in der Herzgrube. Aber auch der Blick, wenn ich von der anderen Seite komme, hinüber zur Schwäbischen Alb, macht mir schlagartig klar, was ich in Berlin und im flachen Land Brandenburg, wo ich seit 25 Jahren lebe, so sehr vermisse: diese wunderschöne für mich „anheimelnde“ Landschaft. Dazu kommt die Vorfreude auf das Wiedersehen mit alten Bekannten, auf das Einkehren in einer Wirtschaft wie etwa dem Ochsen in Uhlbach, auf den Rostbraten dort, wenn möglich verzehrt unter der alten Kastanie mit der weit ausladenden Baumkrone, auf eine Wanderung durchs Siebenmühlental oder auf einen Badebesuch im Leuze.

Wenn ich auf dem Rückflug unter mir die Seenlandschaft …

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Zweiter Teil

von Feridun Zaimoglu, Keine Kommentare

Putschisten, Axtmörder, Sektenjünglinge im Wahn, am Arsch, Schluß damit: Ich verabschiede mich von der kranken Welt, ich will privat bekloppt sein. Nach dem Telefongespräch mit meiner Mutter ruf ich bei Kumpel Stefan an, ich sage: Ein Dampfreiniger deutscher Bauart, das fehlt mir zu meinem Glück, bestellst du ihn für mich, bitte? Er bestellt das Gerät, zwei Tage später wird das schöne Stück geliefert. Ich lese alle einundzwanzig Seiten der Gebrauchsanweisung, ich erfahre: Der 130°C heiße Dampf wird zu den Düsen am Dampfschuh geleitet und auf die zu behandelnde Oberfläche aufgebracht. Die am Dampfschuh angebrachten Mikrofasertücher nehmen den gelösten Schmutz auf. Schön. Ich beginne mit der Montage. Erstens: Ich montiere den Handgriff an das Teleskoprohr und fixiere ihn mit der Schraube (4x28mm). Zweitens: Ich montiere das Teleskoprohr mit dem Handgriff am Dampfgerät und fixiere diese mit der Schraube (6x40mm). Dauert verdammte zehn Minuten, es klappt. Drittens: Ich stecke den Dampfschuh auf das Dampfgerät und fixiere diesen …

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Heimat und Sprache

von Felix Huby, Keine Kommentare

Bei uns alten Leuten (ich bin 78) ist das Gefühl für die Heimat noch eng verbunden mit der heimischen Sprache. Schwäbisch ist ja eigentlich keine Mundart, kein verschlamptes Hochdeutsch, sondern, um es mit Thaddäus Troll zu sagen: „Eine Sprache mit eigenem Wortschatz und eigener Grammatik, die sich auch in ihren Gefühlsinhalten völlig von der Hochsprache unterscheidet.“ Die Sprache meiner Heimat, das Schwäbische, ist differenzierter, oft präziser, bildhafter und klarer als das so genannte Schriftdeutsch. Troll: „Die Hochsprache ist nicht denkbar ohne eine lebendige Fühlung mit, ohne eine ständige Erneuerung durch den Dialekt. Sie würde sonst umkippen wie ein Gewässer ohne Sauerstoff.“ Möglicherweise würde er heute anders darüber denken. Doch für Menschen meiner Generation gilt das noch, zumal wenn man als Schriftsteller an seine Sprache gekettet ist. Das gilt insbesondere, wenn man, wie ich, Vieles im Dialekt schreibt. Aber dass da ein gewisser Abstand eine Hilfe sein kann, habe ich immer wieder bemerkt, seitdem ich in …

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