Ich hatte einen Traum

Ich hatte den Film „Vor der Morgenröte“ von Maria Schrader über Stefan Zweigs Leben im Exil gesehen. In der Nacht danach träumte ich: Ich war unterwegs durch ein schroffes Gebirge und erreichte ein schönes Tal. Ein Fluss mit kristallklarem Wasser war von üppigen, zum Teil blühenden Bäumen und Büschen umstanden. Mein Weg führte mich in eine kleine Stadt. Den ersten Passanten, den ich traf, fragte ich nach dem Namen der Stadt. Er verstand mich nicht. Weder in Deutsch noch in Englisch, noch in dem mangelhaften Französisch, das ich sprach. Achselzuckend wendete er sich ab. Und so ging es mir mit allen anderen Menschen dort. Sie waren freundlich, aber sie konnten mit mir offensichtlich nichts anfangen. Ein Gefühl maßloser Einsamkeit erfasste mich. Wie sollte ich hier leben, oder wie sollte ich von hier weiterkommen? Ich war hin- und hergerissen zwischen bodenloser Traurigkeit und Verzweiflung, innerlich vollkommen leer und körperlich total erschöpft. Zum Glück wachte ich auf. Aber das Gefühl der Verlassenheit hielt noch an. Ich brauchte einige Zeit, um zu begreifen, dass es ja nicht mein Schicksal war, in eine fremde Welt hinaus geworfen zu sein, dass ich nach wie vor in meinem Land und in meiner Sprache zuhause war. Obwohl es noch mitten in der Nacht war, hinderte ich mich selbst daran, wieder einzuschlafen.

8 Kommentare

  1. Lisa, ,

    Lieber Herr Huby, nun muss ich auch ihren zweiten Text kommentieren. Es scheint nicht auszureichen, dass wir zu den Menschen, die zu uns kommen um bei uns zu leben, freundlich sind. Es muss zu schaffen sein, dass wir auch gegenseitig was miteinander anfangen können, wie sie schreiben. Das scheint ein langer mühsamer Weg, wie ist das zu schaffen? Müssen sich das nicht auch jeden fragen, dessen Schicksal das nicht ist.

  2. Dirk, ,

    Es muss doch schlimm sein, selbst wenn die Menschen freundlich sind zu einem, dass sie einen einfach nicht verstehen. Da wird man sich ziemlich verloren fühlen. Ich denke, da wird für die Integration noch viel zu wenig getan.

    • Marco, ,

      Dirk, meinst du nicht, es gibt genug Kurse dafür? Wird doch eigentlich alles angeboten!

      • Antonio, ,

        Kurse? Ist denn Zwischenmenschlichkeit wirklich zu institutionalisieren?

        • Lisa, ,

          Find auch! Kurse sind ja lange nicht alles!

          • Abdallah, ,

            Ich mache Deutschkurse, um endlich Freunde zu finden. Aber es sind natürlich keine Deutschen dort. Ich hätte gerne deutsche Freunde.

            • Anna, ,

              Hallo Abdallah, ich kann mir vorstellen, dass es schwierig ist, deutsche Freunde zu finden, wenn man zugezogen ist, vor allem wenn man gerade erst Deutsch lernt. Einige Deutsche sind da sicher recht ungeduldig und unflexibel; andere aber auch super offen. Je nachdem, wo du den Kurs machst, können dir die Mitarbeiter der lehrenden Institution vielleicht Tipps geben? Beste Grüße, Anna

              • Smokey, ,

                Omg – Wenn Abdulla das nicht weiß, dann ist ihm eh nicht zu helfen, liebe Anna….

Die Kommentarfunktion wurde abgeschaltet, da der Austausch mit den Autoren und den Lesern zum Thema "Heimatkunde" aktuell für die Bühne bearbeitet wird. Sie können das Ergebnis am 16. & 17. September jeweils um 19.30 Uhr im Theaterhaus Stuttgart erleben.

Karten unter www.theaterhaus.com